Zwischen Schnecke und Schwalbe…

Gerade jetzt im Frühsommer können wir in der Natur zwei Zeitmagier beobachten und dabei immer wieder staunen. Die Schwalben fliegen mit einer enormen Geschwindigkeit den Insekten hinterher, und ich habe noch nie erlebt, dass jemals eine Schwalbe gegen ein sichtbares Hindernis gestoßen wäre. Ihr Reiz-Reaktions-Schema ist so konstruiert, dass von der Wahrnehmung bis zur Kurskorrektur kaum Zeit vergeht.

Ja…. und… dann…..—-***gibts***—….ja — noch… die Schnnnneccckkkeeennn…da geht das dann alles viel langsamer; und doch: auch sie erreichen ihr Ziel, leider viel zu oft, wenn man die abgefressenen Stängel im Garten sieht.

Schnecke

Ja, und wir selber? Ich denke, wir sind irgendwo zwischen Schwalbe und Schnecke angesiedelt; trotz aller Technik passieren viele Unfälle, weil unser Reiz-Reaktions-Schema eben nicht für 180 km/h ausgelegt ist. Und schneckengleich wollen wir denn doch auch nicht sein…

Auch die Fotografie hat es in mehrerer Hinsicht mit der Zeit zu tun. Zum einen ist das fotografische Ergebnis scheinbar aus der Zeit herausgenommen, der eingefrorene Augenblick. Ich finde es immer ergreifend, wie präsent Menschen oft gerade auf ganz alten, historischen Aufnahmen wirken, und doch weiß man, dass sie schon lange nicht mehr da sind.

Zeit ist auch ein wesentliches Parameter bei der Belichtung, sei es nun analog oder digital. Die 500stel Sekunde, wer kann sich solch keine Zeiteinheiten vorstellen? Auf der anderen Seite: gerade die Lochkamerabilder brauchen bei der Belichtung viel Zeit, bei Sonne und einem empfindlichen Film (etwa Ilford Delta Professional 3200) reichen so ca. 8 – 10 Sekunden, aber bei schlechtem Licht werden daraus schnell Minuten, mitunter Stunden (hab ich aber noch nicht probiert).

Zur digitalen Fotografie und ihrem Verhältnis zur Zeit fällt mir ein, dass ja Vieles fast gleichzeitig geschieht; auf dem Display sieht man sofort das Ergebnis, also gehts gleich weiter zum nächsten Bild, Speicherplatz ist keine Mangelware mehr, man kann kreative Serien vom gleichen Motiv in kurzen Abständen machen und das beste Ergebnis nachher am besten gleich ausdrucken. Zugegeben, das hat auch etwas Elegantes; mancher Schnappschuss gelingt nur so. Der Preis ist eine Bilderflut, in der das Gute oft kaum noch auffällt. Seit es digitale Fotografie gibt, sieht man auf der einen Seite, wie kreativ man damit umgehen kann und auf der anderen Seite hat es noch nie eine solche Fülle nichtssagender Bilder gegeben.

Was ist dagegen der Mittelformatrollfilm mit seinen 12 Bildern… Da nimmt man sich für das Bild Zeit, schneckengleich… dann bringt man den Film zur Entwicklung, wenn ein Labor in der Nähe ist, oder man schickt ihn ein, oder man entwickelt ihn gar selbst (würd ich auch gerne mal probieren), dann kostet, wenn man das denn möchte, auch das Einscannen der Negative Zeit, dann kommt noch die Zeit, die man sich zur Bildbearbeitung nimmt… Alles in allem: Das kostet viel Zeit, aber: es ist erfüllte Zeit, gefüllt mit Erwartungen, die auch nicht immer erfüllt werden. Der Preis ist am Ende eine doch recht übersichtliche Zahl von Bildern, die alles Unikate sind… liebevoll gehegt und gepflegt.

Ich selber versuche Beides, mal Schwalbe, mal Schnecke, aber wichtig ist mir, dass ich mir Zeit nehme.

Das gilt sowohl für die Fotografie, als auch für dieses Photoblog, das ja kein „echtes“ ist; eher ein Blog zur Fotografie aus meiner ganz persönlichen Sicht. Und da gibts eben nicht jeden Tag ein neues Bild…—*** oder einen neuen Artikel***—… Basta!… (Schllleeeiiimmmmmmmmmmm)

Ein Gedanke zu „Zwischen Schnecke und Schwalbe…

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